Damit hier mal endlich wieder was passiert, habe ich in meinen ICQ-Logs gewühlt und ein kurzweiliges Märchen gefunden, dass ich einst an einem langweiligen Tag einem meiner futterneidischen Kollegen schrieb, der mich davor warnen wollte seinen Kuchen anzurühren…
=====schnipp====
meinkollege@buero (01:11 PM) :
Wage ja nicht noch ein Stück von meinem Kuchen zu nehmen! Mein Tisch ist vermint …
meinewenigkeit (01:21 PM) :
Ach, das schockt mich nicht. ich hab jahrelang unter Tage in einer Kuchenmine gearbeitet.
14 Stundem am Tag, haben wir mit großen, schweren Kuchenschiebern die Kuchen und Torten aus dem Gestein gehauen und in die Loren verladen, die von kleinen schwarzen Sklavenkindern nach draußen gezogen wurden.
Lord Kramps, der Besitzer der Mine und seine Aufpasser hielten uns wie Sklaven. wir hatten nichts zu essen und zu trinken außer Wein und Kuchen und wenn die kleinen Mohren nicht fleißig genug waren, schlugen sie ihnen die Köpfe ab und verkauften sie als Delikatesse in ihren über das ganze Land verteilten Niederlassungen.
Wir schufteten und starben für Lord Kramps’ Ruhm und Reichtum und die Jahre vergingen ohne Hoffnung auf ein Ende der Pein.
Einige von uns wurden verrückt oder suchten den Freitod indem sie sich in einem der vielen Schlagsahnegeysire ertränkten.
Aber es sollte der Tag kommen, an dem sich mein Schicksal zum Guten wandte.
Stolz auf sein teigiges Imperium führte der gnadenlose Lord seine Töchter durch die Minen um ihnen zu zeigen welch reiches Erbe sie einmal antreten würden.
Unter anderem auch seine älteste Tochter Nougatina, die gerade auf der Schwelle zwischen Kind und Weibe stand.
Weil ich der fleißigste unter den Arbeitern der Kuchenmine war, machte die Gruppe bei mir halt um den neugierigen Mädchen zu zeigen, wie der Kuchen aus dem Gestein gehackt wurde.
Nougatina sah in mein von Tortenguss verschmiertes Gesicht, auf mein güldenes Haar, in dem Streusel aller Farben und Geschmacksrichtungen hingen und in meine heidelbeerblauen Augen und verliebte sich sofort Hals über Kopf.
In der darauffolgenden Nacht schlich sich Nougatina aus der Burg, stahl dem betrunkenen, schlafenden Wachmann seine Schlüssel aus feinstem Zuckerguss und eilte zu mir in die Mine.
„Sei leise. Liebster“ flüsterte sie mir zu und es war, als würde ein Engel zu mir sprechen. Ihre Stimme war so rein und zart, wie ihr Antlitz, das vor mir im fahlen Licht ihrer Laterne wie die Erlösung selbst erstrahlte.
Mit ihren schlanken, zarten Fingern versuchte sie zittrig das kunstvoll aus Salzteig gefertigte Schloss meiner Ketten zu öffnen, doch als die Ketten von meinen Armen und Beinen abfielen, brach ich vor Überwältugung zusammen und begann zu weinen.
„Was ist mit dir, mein Adonis?“ fragte sie und auch ihr schossen Tränen in die funkelnden Äuglein. „Bist du unglücklich? Hast du Angst dein dir zur Heimat gewordenes Gefängnis zu verlassen?“. Ich schluckte kurz, verwarf all meine Ängste und Bedenken und sagte: „es ist nichts, mein Engel. Lass uns verschwinden und nicht zurückblicken“.
Ihr Gesicht erhellte sich und sie nahm mich an der Hand und zog mich hinter sich her aus der dunklen Mine in die Freiheit. Vorbei an allen meinen Leidensgenossen, die wild an ihren Salzteigketten rüttelten. Vorbei an den Sahnegeysiren, Streuselerzbrocken und Zuckergussstalagtiten in die beängstigend unbekannte Freiheit.
Als wir hinaustraten und ich nach all den Jahren zum erstenmal wieder den Mond sah, der da wir eine halb verspeiste Sahnetorte am Himmel hing, fühlte ich erst wieder, was es bedeutete am Leben zu sein.
„Du wirst dich eine Weile verstecken müssen, bis sich die Wogen geglättet haben“ hauchte mir Nougatina ins Ohr. „Nimm einen der Mohren mit, dass er dich bei den Mühen des Alltags unterstütze“. Also befreite ich noch einen der Lorenmohren, nannte ihn Sonntag und machte mich mit ihm auf zu der Jagdhütte am Kaffeesee, wie Nougatina mir geraten hatte.
So lebten wir eine Weile in Frieden, aber der ständigen Angst, Lord Kramps könnte doch einmal wieder seine Jagdhütte besuchen und uns ertappen.
Nougatina kam so oft es ging vorbei und wir verbrachten viele zärtliche Stunden in trauter Zweisamkeit (Sonntag musste uns den Rücken zukehren). Ich aß Erdbeerkuchen aus ihrem Bauchnabel und wir bewarfen uns ausgelassen mit Teilchen und Vollkornbrot.
Eines Tages hatte Nougatina den rettenden Einfall.
Sie ließ Sonntag mich waschen und mir die Krümel aus dem Haar kämmen und sie besorgte mir edles Gewand und Schmuck.
So verkleidet trat ich als Bäckermeister Dinkel aus Sachsen mit seinem schwarzen Gefolge vor ihren Vater und hielt um ihre Hand an.
Der alte Lord Kramps erkannte mich nicht, weil es in der Mine ja stets stockfinster gewesen war und war froh einen so tüchtigen Schwiegersohn zu bekommen.
So hielten wir Hochzeit und feierten ein rauschendes Fest mit allerlei Gebäck und reichlich Rumaroma und Schokoladenguss und als kurz darauf der alte Lord Kramps bei einem Backunfall in einem abgelegenen Haus im Wald tragisch ums Leben kam, bestieg ich seinen Thron aus gülden gebackenem Laugengebäck und Nougatina und ich regieren mit traditionell harter Hand das Kramps’sche Backimperium mit seinen reichen Kuchenminen und Brötchenplantagen bis dass das Brot uns scheidet.
meinkollege@buero (01:25 PM) :
Alder, du hast echt nen Schatten
=====schnapp====